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Lieber Herr Dr. Mengeler, Sie sind Tierarzt in Hamminkeln und betreuen die Pferde des RWS, die in Schwarzenstein untergebracht sind.

In den letzten Wochen und Monaten hat uns alle die hoch ansteckende Pferdekrankheit „Druse“ in Atem gehalten. Einige Pferde in Schwarzenstein waren infiziert und der Hof wurde unter Quarantäne gestellt. Können Sie uns etwas zum Krankheitsbild der Druse erzählen?

Wie wird der Krankheitserreger übertragen?

Der Erreger Streptococcus equi subspecies equi wird direkt von Pferd zu Pferd über Tröpfcheninfektion und direkten Kontakt sowie indirekt über Menschen, kontaminierte Gegenstände, Insekten oder z. B. auch über Hunde übertragen. Insbesondere sind von verschiedenen Pferden genutzte Tränken oder Stalleinrichtungen eine Möglichkeit für die Übertragung des Erregers. Im Wasser soll der Erreger bis zu 6 Wochen überleben und infektiös bleiben können.

Gibt es etwas, was Pferdebesitzer oder Stallbetreiber unternehmen können, um das Auftreten der Druse zu verhindern?

Das Auftreten der Druse lässt sich sicher nicht immer verhindern, wohl aber lässt sich die Ausbreitung mit Kenntnis der Symptome der Erkrankung und dem verantwortungsvollen Umgang mit verdächtigen Pferden sehr wohl einschränken.

Wichtig sind die frühzeitige Verdachtsdiagnose oder Diagnose, eine gute Kommunikation beteiligter Personen und Treffen der richtigen Maßnahmen – auch schon im Verdachtsfall.

Wichtig ist eine Isolation verdächtiger Pferde (Quarantäne). Äußerst schädlich ist eine Vogel-Strauß-Politik, da in diesem Fall eine rasche Ausbreitung der Erkrankung möglich wird.
Schwierig bzw. äußerlich unmöglich ist die Erkennung sog. „stummer Träger“, d. h. Pferde, die aktuell keine Krankheitsanzeichen haben, dabei aber den Erreger bis zu mehreren Jahren in sich tragen und jederzeit plötzlich infektiös werden können (auch als persistent infizierte Pferde bezeichnet).

Um sich so sicher wie möglich vor einer Einschleppung bzw. Verbreitung von Druse zu schützen, wird eine Quarantäne von 3 Wochen in Kombination mit einer 3-maligen Durchführung einer Rachen- oder Luftsackspülprobe empfohlen. Ob dies in der Praxis allgemein machbar und realistisch ist, ist eine andere Frage. Aber nur so erlangt man eine mögliche Sicherheit.

Ist Druse für Menschen oder andere Vierbeiner (z.B. Hunde) ansteckend?

Rein theoretisch ja, wenn auch wohl extrem selten. Der Erreger hat eine sehr hohe Wirtsspezifität, d.h., er ist sehr pferdegebunden. Deshalb sind Infektionen von Menschen äußerst unwahrscheinlich, in der Literatur wohl aber schon beschrieben. Problematischer ist weniger die tatsächliche Ansteckungsgefahr von Hund und Mensch als vielmehr die Tatsache, dass diese nach Kontakt mit infizierten und ausscheidenden Pferden zu ungewollten Überträgern werden können.

Was wurde in den letzten Wochen in Schwarzenstein unternommen, um die Ansteckung weiterer Pferde und die Ausbreitung der Krankheit außerhalb des Stalls zu verhindern?

Es wurde eine Isolation bzw. Quarantäne verdächtiger und nachweislich infizierter Pferde vorgenommen. Alle Pferde des Bestandes wurden in Gruppen – je nach ihrem Infektionsrisiko –eingeteilt und entsprechend aufgestallt.

Der Pferdebestand wurde insgesamt gesperrt, es wurde also kein neuer Zugang aufgenommen und auch kein Pferd aus dem Bestand verbracht. In dem Falle, dass Pferde aus bestimmten Gründen die Anlage verlassen mussten, wurden diese vorab einer 3-maligen tierärztlichen Untersuchung mit entsprechender Labordiagnostik sowie gleichzeitiger Quarantäne unterzogen und konnten erst dann unbedenklich den Bestand verlassen.

Nur unverdächtige Pferde, die vorab keinen Kontakt zu erkrankten oder verdächtigen Tieren hatten, durften innerhalb des Vereinsgeländes bewegt oder gearbeitet werden.

Jeder unnötige Menschen- und Pferdeverkehr wurde vermieden. Vor jedem Stall wurden Desinfektionsmatten eingerichtet und dem Pflegepersonal die Einhaltung entsprechender Hygienerichtlinien vermittelt. Das Betreten der Stallungen erfolgte nur durch befugte Personen und in Schutzanzügen. Es wurden wiederholt Treffen und Besprechungen der verantwortlichen Personen (Stallleitung, Vorstand, Tierärzte) durchgeführt, die jeweilige Lage erörtert und die erforderlichen Maßnahmen vereinbart. Infizierte und klinisch erkrankte Pferd wurden maximal isoliert, symptomatisch und nicht antibiotisch behandelt, um eine möglichst gute Immunantwort zu erzielen.

Nach überstandener Infektion kommt es in den meisten Fällen (rund 75 % der Fälle) zu einer mehrjährigen, gut belastbaren Immunität. Es gibt aber die oben genannten „stumme Träger“, also Pferde, bei denen zwar die Infektion abgeklungen ist oder nur sehr mild verläuft, wobei der Infektionserreger am Ende aber nicht vom Immunsystem eliminiert wird und dann jahrelang in diesen Pferden verbleibt. Diese Pferde stellen eine erhebliche Infektionsquelle dar! Um etwaige persistent infizierte Träger zu identifizieren, wurde ein erheblicher Aufwand betrieben: Nach Abklingen der Infektionsphase wurden sämtliche Pferde des Bestandes 3-malig im Abstand jeweils einer Woche je nach Risikogruppenzuordnung einer Rachen- oder Luftsackspülung mit endoskopischer Kontrolle der oberen Atemwege und der Luftsäcke unterzogen. Die gewonnenen Proben wurden jeweils parallel einer bakteriologischen Untersuchung mittels Kultur wie auch einer so genannten PCR-Untersuchung zugeführt, in deren Verlauf der Gen-Nachweis des Erregers untersucht wird. Dieses Untersuchungsverfahren gilt als Gold-Standard und somit als sicherste Methode, um klinisch unauffällige Träger und somit potenzielle Ausscheider des Erregers zu identifizieren.

Des Weiteren wurden nach Abklingen der Infektionsphase die gesamten Stallungen von einer Fachfirma professionell gereinigt und desinfiziert.

Man sieht an den Maßnahmen, dass der gesamte Aufwand für den Verein, die Pferde und deren Besitzer nicht unerheblich waren.

Wie ist der aktuelle Krankheitsstand in Schwarzenstein?

Jetzt Anfang Juni sind alle wiederholten Bestands-Reihenuntersuchungen abgeschlossen. Zwischenzeitlich wurden 3 klinisch unauffällige Pferde als „stumme Träger“ dank gründlicher Diagnostik identifiziert. Diese Pferde blieben isoliert, wurden lokal in jeweils beiden Luftsäcken antibiotisch behandelt (Methode der Wahl) und dann nach 14 Tagen nochmals 3-malig im Abstand einer Woche einer diagnostischen Luftsackendoskopie und -spülung unterzogen. Diese Untersuchungen ergaben nun bei 2 Pferden keinen Erregernachweis mehr, bei dem letzten Pferd ist die Verlaufsuntersuchung noch nicht abgeschlossen.

Wenn beim letzten Pferd die 3. negative Spülprobe vorliegt, kann das Infektionsgeschehen als abgeschlossen betrachtet werden. Eine realistische Infektionsgefahr ist dann nach Stand der Wissenschaft bestmöglich ausgeschlossen.

 

Kontaktdaten:

Tierärztliche Praxis für Pferde Dr. med. vet. Ulrich Mengeler
Bislicher Str. 25
46499 Hamminkeln
Telefon +49 (2852) 94144
E-Mail info@dr-mengeler.de
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