Hunting Hero

Ab dem 13. Oktober ist es wieder soweit, die Jugendwoche beginnt. Jedes Jahr in den Herbstferien trifft sich ein Kreis von Kindern und Jugendlichen in Schwarzenstein, reist mit Ponys/Pferden und Schlafsäcken an und verbringt gemeinsam eine tolle Woche. Ziel der Veranstaltung ist es, dass alle Teilnehmer am Ende der Woche eine eigene Jagd ausrichten und mitreiten können.

Liebe Celine, du selbst bis seit deiner Kindheit ein Teil dieser Gruppe und inzwischen als Betreuerin und als Unterstützung deiner Mutter, Ute Boss-Hekma, der Organisatorin der Jugendwoche, im Einsatz. Kannst du dich erinnern, wie alt du warst, als du das erste Mal an der Jugendwoche teilgenommen hast?

Es ist dieses Jahr genau 20 Jahre her, dass ich das erste Mal an der Jugendwoche in Schwarzenstein teilgenommen habe. Meine Freundin Lora Moses und ich durften ausnahmsweise schon teilnehmen, obwohl wir beide erst 8 Jahre alt waren und die Jugendwoche offiziell erst für Teilnehmer ab 10 Jahren war. Da bereits mein Vater Teilnehmer der Jugendwoche war und oft von der Zeit schwärmte, war für uns sofort klar, das wollen wir auch erleben. Und so kam es, dass wir es kaum erwarten konnten, zu Beginn der Herbstferien mit gepackten Koffern und geputzten Ponys in Schwarzenstein anzureisen.

Das war sicher sehr aufregend, kannst du dich an besonders spannende Momente und Erlebnisse erinnern?

Es war eine ganz tolle und unbeschreibliche Zeit. Das Spannendste für mich war die gemeinsame Arbeit mit der Meute, aber auch das Springtraining und die Nächte in den Malteserzelten. In meiner ersten Jugendwoche sind meine Eltern abwechselnd morgens aus Düsseldorf angereist, um mein wildes Pony vor der Hundearbeit zu longieren – das änderte jedoch nichts an der Tatsache, dass ich jeden Tag innerhalb der ersten fünf Minuten den Boden küsste, da mein Pony sich von meinen Eltern nicht hat einschüchtern lassen.

Neben dem Highlight der Woche, der Jugendjagd, ist das Rahmenprogramm sehr spannend, ins-besondere die Nachtwanderung oder der Geschicklichkeitsritt. Ich erinnere mich noch ganz genau, wie eine der Aufgaben war: Ein Gruppenteilnehmer sollte ohne Bügel wieder auf sein Pferd steigen. Mein Team hat sich natürlich mein Pony (das kleinste) ausgesucht. Als ich mein Pony neben das Billard stellte, um aufzusteigen, kletterte es einfach das Hindernis hinauf und stand neben mir. Ich war überfordert mit der Situation, aber meine Gruppe hat das Problem schnell gelöst: Einer der älteren Teilnehmer hat sich auf mein Pony geschwungen und es mühelos und „bügellos“ das Hindernis wieder hinuntergesprungen. Ich war schwer beeindruckt. Es war eins der prägendsten Erlebnisse für mich und mir wurde klar, in der Jugendwoche bzw. als Schwarzensteiner ist man niemals allein.

Es wird nicht nur der verantwortungsvolle Umgang mit dem eigenen Pferd und den Hunden gelehrt, sondern auch das umsichtige Miteinander.

Viele der Teilnehmer von damals sind heute noch immer mit der Jugendwoche verbunden. Wenn sie aus dem Alter der Teilnehmer herausgewachsen sind, sind sie als Betreuer im Einsatz. Was ist für dich das Besondere daran, mit den Freunden aus den Kindheitstagen noch immer in so engem Kontakt zu stehen?

Es ist ein wunderschönes Erlebnis, denn ein paar der Teilnehmer von früher gehören heute mit zu meinen engsten Freunden. Man kann gemeinsam auf viele Erinnerungen und tolle Zeiten zurückblicken, die einen sehr verbinden. Die Jugendwoche ist ein Stück Lebensgeschichte geworden.

Wie alt sind die jüngsten und wie alt die ältesten Teilnehmer der Jugendwoche und wie schafft ihr es, das Programm rund um die Jugendwoche für alle attraktiv zu gestalten?

In den vergangenen Jahren waren die Teilnehmer zwischen 9 und 21 Jahre alt. Jede Jugendwoche findet mit vielen helfenden Händen statt. Es wird gemeinsam geritten und individuell sowohl auf die Bedürfnisse der jungen Jagdreiter als auch die ihrer Pferde eingegangen.

Zudem wird großen Wert darauf gelegt, die Tradition des Jagdreitens und die Historie des Rheinisch-Westfälischen Schleppjagdverein (RWS) sowohl in der Theorie als auch in der Praxis zu erlernen. Die Woche wird attraktiv, indem altersübergreifend intensiv Zeit miteinander verbracht wird, sich gegenseitig beim Versorgen der Pferde geholfen wird. Auch der Spaßfaktor kommt mit Bullenreiten, Basteln, dem Bauen von Geländehindernissen oder sportlichen Aktivitäten nicht zu kurz.

Das Highlight ist natürlich die Jugendjagd, die Teilnehmer arbeiten die Woche über auf die Abschlussjagd hin und übernehmen an diesem Tag alle Ämter der „Erwachsenen“, lediglich durch unseren Huntsman Heiko Burchard unterstützt.

Wie kommen die Ponys oder Pferde, die die Teilnehmer mitbringen, mit der neuen Situation, (z. B. dem Reiten in der Gruppe) klar? Einige sind ja außerhalb dieser Zeit eher in Einzeldisziplinen oder im Turniersport aktiv.

Am Anfang der Woche sind sowohl die Teilnehmer als auch ihre Vierbeiner meistens sehr aufgeregt und gespannt auf das, was sie wohl in den kommenden Tagen erwarten wird. Nach einem gemeinsamen Mittagessen und der Verfassungsprüfung findet am ersten Tag ein Spazierritt in kleineren Gruppen statt. Dieser wird jeweils von einem Betreuer begleitet, sodass sich alle schonend auf das Reiten in der Gruppe vorbereiten können. Hier kristallisiert sich sehr schnell heraus, wie Reiter und Pferd mit der neuen Situation zurechtkommen.

Bei der ersten Hundearbeit werden dann die etwas jüngeren bzw. unerfahrenen Reiter und Pferde den „alten Hasen“ zugeordnet, sodass möglichst jeder ein gutes Gefühl und Spaß an der Sache bekommt.

Rückblickend auf viele Jahre als Teilnehmerin der Jugendwoche, was, würdest du sagen, ist für alle das Faszinierende an der Woche in Schwarzenstein?

Das Faszinierende an der Woche in Schwarzenstein ist eine Kombination aus der Arbeit mit der Meute, die Unterbringung in den Zelten unter der Feldscheune, dem Rahmenprogramm und der gemeinsamen Zeit, die man verbringt.
Man kann die Faszination der Jugendwoche kaum in Worte fassen, denn die Jugendwoche muss gefühlt und gelebt werden, um das besondere Gefühl zu verstehen.

Der RWS lebt durch solche dynamischen Veranstaltungen. Der Grundstein wird mit der Jugendwoche gelegt, geht für uns Heranwachsende über in die Pikeurtage und führt schließlich in die Jagdreitertage. Alle Veranstaltung bauen auf den gleichen gemeinsamen Säulen auf: die tiefe Verbundenheit, mit der Meute zu reiten, die Liebe zum Pferd, die Achtung vor der Natur und unzählige schöne Momente mit den „Schwarzensteinern“.

Gibt es etwas, was du dir für die künftigen Jahre der Jugendwoche wünscht?

Ich wünsche mir natürlich, dass die Jugend und somit die Jugendwoche weiterhin ein fester Bestandteil in der Geschichte des Rheinisch-Westfälischen Schleppjagdvereins bleibt und noch viele Kinder die Möglichkeit haben, ihre Herbstferien hier zu verbringen und das Jagdreiten von der Pike auf erlernen können.